Der Gillingsee (Kreis Bütow)


Christian Graf von Krockow
über die Lande Bütow und Lauenburg.

(Mit Genehmigung des Autors
aus "Die Reise nach Pommern",
Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart, 1987)

 

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Was für ein Land!

"... dann nach Rummelsburg und Bütow. Was für ein Land hätte er da zu sehen bekommen: nicht mehr flach, sondern immer bewegt, manchmal fast bergig, Je weiter nach Osten, je mehr. Der baltische Höhenrücken; beinahe alle hinterpommerschen Flüsse schlängeln sich von hier nach Norden oder nach Süden. Und Hunderte von Seen gibt es, kleine und große, buchtenreich verzweigt zwischen Heide und Moor, zwischen den Feldern und dem Wald. Manche Leute reden von der pommerschen Schweiz.

Aber das ist wirklich Gerede. Warum sich verstellen und hinter anderen verstecken, als hätte man nur die zweite Wahl, bloß den Abglanz zu bieten? Dieses Land ist nicht eng und nie wirklich steil, nicht großartig oder gewaltig - und lieblich erst recht nicht. Es prahlt nicht, es mag keine Reklame. Vielleicht sollte man es spröde nennen. Still und versponnen ist es, bedächtig und fest. Weiter nördlich, zum Lauenburgischen hin, gibt es "das blaue Ländchen". Das paßt viel besser als hier eine "pommersche Schweiz".

Bussarde kreisen über dem Hang; man sieht den Habicht, den Falken, den roten Milan. Wildenten gibt es in Scharen. Wer die Dämmerung am Morgen so wenig scheut wie am Abend, entdeckt das Schwarz- und das Rotwild. Übrigens wimmelt es von den richtigen, den roten Waldameisen. Manchmal mannshoch türmen sie ihre Haufenburgen. Man behauptet, daß es gegen das Reißen hilft, wenn man sich nackt hineinsetzt. Aber das sollte man besser erst mit dem kleinen Finger probieren.

Von Menschen freilich wimmelt es nicht. Ungefähr vierzig sind es auf dem Quadratkilometer, im Kreise Rummelsburg nur dreiunddreißig, die Stadt eingerechnet. Für Stunden kann man wandern - oder vielleicht besser noch reiten -, ohne jemanden zu treffen, außer vielleicht den Schäfer mit seiner Herde oder einen Forstmann. Ja, was für ein Land!"