Rudi Preuß Klein Dratow, den 18. 1. 1995 17192 Klein Dratow

Bericht über Vertreibung und Neuanfang

Im Jahre 1945 war ich 8 Jahre alt. Ich besuchte damals die Volksschule in Großtuchen.

Unsere Familie mußte mit einem Gütertransportzug bis vor Danzig fahren. Hier holte uns die russische Armee ein. Von dort ging es dann wieder zurück nach Großtuchen; jedoch mit vielen Umständen und Beschwernissen. Wir waren zusammen mit unserer Mutter. Unser Vater war 1944 bei Leningrad gefallen.

Zu Hause erwarteten uns russische Soldaten. Wir wohnten in unserem Haus am Bahndamm. Sie beaufsichtigten den Notaufbau der Drei-Brücken, die noch von den deutschen Soldaten gesprengt worden waren. Deutsche Männer und Frauen mußten diese Brücke aus Holzpfeilern herstellen. Die abgebauten Bahnschienen zwischen Rummelsburg und Bütow wurden dann über diese Notbrücke nach Rußland transportiert.

Bald übernahmen die Polen die Herrschaft. Nach mehreren Umzügen in Großtuchen mußten wir noch 1945 unser Heimatdorf verlassen. Wir durften nur soviel mitnehmen wie wir als Kinder tragen konnten. Nach vielen Irrwegen mit der Bahn sind wir in Mecklenburg gelandet. Hier wohnte die Schwester meiner Mutter.

Meine Mutter ist durch die furchtbaren Nachkriegsereignisse 1974 gestorben. Wir vier Brüder haben bei der ehemaligen DDR-Reichsbahn auf dem Bau gearbeitet. Zwei meiner Brüder starben 1980 an einem Krebsleiden.

Berichtet auch für meinen Bruder Bruno.